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Regenwald und tolle Hostels

Ich bekomme schlechte Laune, wenn ich müde bin und so wird dieser Bericht vielleicht einige negative Seiten der Reise beschreiben, die natürlich bei weitem nicht überwiegen.

Ich fange aber mit etwas Großartigem an: Ich sitze gerade vor einem weitem Panoramafenster, vor mir liegt der See Lake Wanaka, am Himmel schweben kitschige flauschige rosa Wolken und gegenüber von diesem wunderbarem Hostel sind Berge, die aussehen, wie ich die Türkei nach dem Hochsommer erlebt habe: sandfarben, in den Spalten einige Büsche und Sträucher und ansonsten kahle Bergrücken mit italienischen Zikaden und ganz unten am Fluss die Lichter der vier Häuserreihen, die sich auf dieser Seite um den See winden. Neuseeland scheint nicht nur von der Natur beherrscht zu sein, sondern es gibt einfach auch zu wenig Menschen hier, um die ganzen Plätze mit Seeblick zu bebauen. Es ist wirklich eigenartig, dass hier in Wanaka nicht viel mehr Menschen wohnen. Vielleicht ist es im Winter in den dünnen Holzhäusern nicht so angenehm oder es regnet die ganze Zeit, Seiten, die wir noch nicht erlebt haben.

Unser Weg hier her führte uns über gute und nicht so schöne Hostels und wir haben beschlossen, auf unserer Website einen Extrabereich für unsere persönlichen Hostelbewertungen einzurichten. Greymouth war wie bereits beschrieben ein exotisches und gut ausgestattetes Hostel, in dem wir sehr gerne gewohnt haben. So fiel es uns schwer, von dort abzureisen, aber wir wollen ja noch viel mehr Seiten der Insel entdecken. Auch unser Auto wollte wohl am liebsten auf dem Parkplatz bleiben, denn als ich den Schlüssel umdrehte, machte es keinen Mux. Als ich die Jungs davon überzeugt hatte, dass es nicht an meinen Fahrkünsten lag und das Auto wohl tatsächlich nicht funktionsfähig war (ihr wisst nicht, was ich hier manchmal beweisen muss ;), ging es an die Fehlersuche. Drei Ingenieure, ein altes noch relativ fremdes Auto und eine entscheidende Frage: Wo ist die Batterie? Mir wird immer stärker bewusst, wie wenig wir eigentlich über unser gerade gekauftes Auto wissen und ich frage mich, mit welchen Überraschungen es unsere Reise noch interessanter macht (positiv ausgedrückt, ich streng mich an). Wir blieben relativ locker und suchten einfach weiter. Wie viele Stellen gibt es schon in so einem Auto? Und nachdem der Motor unter dem Beifahrersitz läuft (was ich bis dahin gar nicht wusste), war es eigentlich nur logisch, dass die Batterie unter dem Fahrersitz angeschlossen ist. Wir fanden sie also, informierten uns beim Hostel über die nächste Werkstatt und schnappten uns drei Fahrräder und die Batterie. Ein Gebrauchtteilehändler lag nur ca. 1 km die Straße abwärts: Ein Hof voll zusammengeschlagener Autos ohne Scheiben und fast vollständig ausgeschlachtet. Der Besitzer baute uns eine neue kleine Batterie (25 Euro) aus einem der noch nicht so zerstückelten Fahrzeuge aus, wir fuhren zurück und versuchten unser Glück, doch unser kleiner halb-gelber Van gab weiterhin keinen Laut von sich. Die Jungs fuhren also noch einmal zurück und kamen mit einer großen Batterie frisch vom Ladegerät zurück. Tatsächlich sprang der Wagen diesmal an und wir konnten mit ein wenig Verspätung weiter in den Süden aufbrechen. Ich fuhr die ersten Kilometer, aber irgendwie scheint der Van eine eigenartige Ausstrahlung zu haben und ich werde spätestens nach 20 Minuten so müde, dass ich besser nicht weiter fahre. Aber es findet sich immer ein schon darauf wartender Jere, für den das Fahren hier einen riesen Spaß bedeutet. Thomas und ich sind nach kurzer Zeit in schmerzhafter unbequemer Haltung weggetreten und Jere erfreut sich an den Serpentinen und dem tollen Ausblick: Der Urwald wurde dichter und noch grüner, die Bäume immer höher. Unterwegs sahen wir wieder mindestens 20 Opossums (hier heißen die nur Possums): alle als Fast Food für Greifvögel platt gefahren auf der Straße. Vielleicht war auch der ein oder andere Kiwi und mindestens eine Katze dabei, was erstaunlich ist: Da wir meistens völlig allein auf den Straßen unterwegs sind, können da am Tag doch höchstens 50-100 Autos lang fahren. Also wie groß ist da die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tier angefahren wird? Was Opossums angeht, scheint hier in Neuseeland ein Glaubenskrieg zwischen den sonst so friedliebenden und immer „hey-dear“-freundlichen Neuseeländern zu herrschen. Opossums werden hier von den meisten wohl als Plage angesehen, denn sie töten die süßen kleinen (aber dummen) Laufvögel, wie den Kiwi. Es gibt Kampagnen gegen die Opossums, in denen sie als „Natural Born Killer“ mit gefletschten bluttropfenden Zähnen in einem weit aufgerissenem Maul und einen hilflosen halb abgenagten Kiwi in der Kralle in das Blitzlicht der Kamera starren, als wären sie frisch bei einer Überltat ertappt worden. Der stille hinterhältige Mörder, der seine armen nichtsahnenden Opfer in der Nacht überrascht und auf bestialische Weise zerfleischt. In den Flyern mit diesen Bilder, die in den Touristen-Offices rum liegen, wird gleichzeitig für ein Mittel geworben, dass dieses „schreckliche Tier“ aufhält: Das Gift 1080, dass laut Prospekt einem natürlichen Stoff nachempfunden wurde, der in geringen Mengen auch im Tee und anderen Lebensmittel vorkomme. Wie im letzten Bericht beschrieben, standen wir bereits vor einem Schild, das uns vor diesen grünen Kapseln warnte. Beim genauen hinsehen, stehen diese Schilder überall in der Landschaft rum. Um dieses Problem auch einmal von der anderen Seite zu betrachten: die Opossums sind wohl ehemals vom Menschen ausgesetzt worden, um einen Kaninchenplage einzudämmen. Als wir weiter Richtung Süden fuhren, passierten wir zudem ein paar Dörfer, die sich gegen das eingesetzte Gift aussprechen. In diesen Dörfern stehen an der Straße Schilder mit Sprüchen wie „1080 kills“. Jeremias, der Nerd, wollte das gleich für unseren Multimediaprofessor fotografieren, der schon zu Beginn der HD-Entwicklung ganz begeistert davon war (für alle, die den Zusammenhang nicht verstehen: Ihr seid dafür keine Nerds). Die Gegner geben zu bedenken, dass das Gift in den Lebenskreislauf eintritt und auch für den Menschen gefährlich werden könnte. Aber so wirkliche Tierliebe kann ich da auch nicht erkennen. Vielleicht werden die Opossums hier tatsächlich wie Ratten angesehen, die man beruhigt ausrotten kann. Uns begegnete unterwegs ein Van mit der Aufschrift „Possum Punisher“ über der Windschutzscheibe und einer Strichliste, die aussagte, dass mit diesem Auto bereits 7 Opossums erledigt wurden. Eine witzige, wenn auch makabere Idee: Man macht die Schädlingsbekämpfung zur Touristenattraktion. So gibt es Jagdtouren für viel Geld zu buchen, auf denen man möglichst viele der Tiere erschießen kann.

In einer Wachphase von Thomas und mir hielten wir an einem Restaurant mitten in der Wildnis, dem „Giant Sandfly“, das jedoch geschlossen hatte. Genauso der Pub gegenüber, der mit einer „OPEN“-Tafel vor der Tür warb. Trotzdem war die Pause nicht umsonst, denn hinter dem „Giant Sandfly“ war ein kleiner Wildpark mit einem dicken fetten Schwein, Hirschen, einem kleinen Känguru und einer anschmiegsamen Ziege, die in ihrem erlaubten Bewegungsbereich bereits alles abgegrast hatte sich gerne von uns mit saftigem langen Gras füttern ließ. Weiter ging es in Richtung Okarito vorbei an vielen braunen Schildern, die uns auf Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten hinwiesen, die hier an jeder Ecke zu sein scheinen. Dann jedoch fuhren wir über einen gletscherwasser-blauen Fluss und beschlossen, beim nächsten Schild in die Einfahrt zu fahren und einer kleinen Straße den Fluss entlang zu folgen. Am Ende der Straße mitten in der Einöde gab es dann tatsächlich eine kleine Hütte mit einem Hubschrauberpiloten, der auf Kunden für Rundflüge wartete. Wie oft kommt denn hier tatsächlich jemand vorbei, entscheidet sich für genau diese Ausfahrt und macht einen relativ teuren Hubschrauberflug? Aber es muss wohl einen Markt geben. Wir interessierten uns nur für den Fluss, der an dieser Stelle zwischen rostigen rötlichen Brückenpfeilern hindurch floss, die einen schönen Kontrast zum Blau ergaben. Auf meiner Entdeckungstour nach einer Toilette hinter der Hütte des Piloten bemerkte ich ein offenes Tor, das den direkten Weg in den Urwald öffnete. Wir haben uns schon eine Weile überlegt, dass wir unbedingt einmal in diese dichten Bäume eindringen wollten und hier war unsere Chance. Also nahmen wir uns noch ein paar Minuten unserer knappen Zeit (wir wollten unbedingt noch vor Sonnenuntergang das einzige Hostel des einsamen Ortes Okarito erreichen) und gingen ein paar hundert Meter zwischen den grünen Farnen und Sträuchern hindurch. Unterwegs stand noch eine rostige Blechhütte, die wohl die Lebensweise der ehemaligen Goldgräber in dieser Gegend zeigen sollte, alles wieder wirklich beeindruckend, auch wenn es für Touristen angelegt wurde.

Wir schafften es dann tatsächlich noch vor Sonnenuntergang in den kleinen schnuckeligen Ort Okarito einzufahren: geschätzte 20 Häuser entlang einer Straße, die parallel zur Tastmanischen See verläuft, die hier nicht ganz so wild ist, wie in Greymouth. Okarito war das erste Stück Land, das 1642 von Abel Tasmans Schiffen aus gesichtet wurde. Da wir immer ganz spontan sind, hatten wir keine Betten reserviert und so kam es, dass mit einigem Hin und Her Thomas ein Bett in einem 3-Bett-Zimmer ohne Bad und Dusche bekam und Jere und ich ein Zweibettzimmer mit eben diesen Annehmlichkeiten. Thomas Zimmer war ansonsten nicht bewohnt, er hatte es also für sich alleine und konnte unseren Waschraum mit benutzen. Was für ein Zimmer! Bis hier hin dachten wir: wow, wir steigern uns mit jedem Hostel, so auch diesmal! Dieses Zimmer war wunderbar! In Sandfarben gehalten, an den Wänden Treibholz, ein großes Bett, ein Schrank (!) und ein eigenes Bad! Das ist der Luxus pur! Hinzu kam der tolle Wohnraum im Gebäude: Ein Kamin mit bequemen Sofas (we are getting used to it!), einer offenen Küche und einem 6 Meter langem Holztisch mit einem Thron an jedem Ende! Alles schick, zum Entspannen eingerichtet. Wir schafften es sogar noch, im Gegensatz zu Steve (einem netten Engländer aus einem 500-Seelendorf in der Nähe von Cambrige) vor dem Sonnenuntergang zum Meer vorzulaufen. Die Jungs versuchten noch, unseren mit dem Van übernommenen Campingkocher zum Brennen zu überreden, doch der hält anscheinend, genau wie der Van, Geheimnisse in sich, sodass sie fast die wunderbaren Farbspiele des Sonnenuntergangs verpassten. Ich habe ungefähr 30 Bilder davon geschossen, aber keines kann die tatsächliche Stimmung wiedergegeben. Ich hoffe, einige der Bilder schaffen es durch die strenge Auswahl der Jungs. Ich werde hoffentlich demnächst (wenn wir eine dementsprechende Internetverbindung haben) alle Bilder in meiner Dropbox hochladen, so dass ihr Berge, Sonnenuntergänge und neuseeländische Landschaft im Überfluss anschauen könnt. – Ihr werdet euch ja sicher schon gewundert haben, wieso ich auf den ganzen Videoaufnahmen immer Fotografiere und es dann nur wenige Bilder in den Blog schaffen. Meine Speicherkarte war schon mehrfach voll, aber die Jury begrenzt die Bilder, die es in den Blog schaffen meistens auf 10-15 Bilder, so dass ihr nur einen kleinen Teil zu sehen bekommt: also hoffentlich demnächst mehr von der Nachfolgerin der Camera Opscura (scheiß Medienleute ;). In dem Hostel lernten wir an dem Abend die zwei Heilbronner Birgit und Holger kennen, die tatsächlich – wir sind begeistert – vor ihrer Abreise unseren Blog besucht haben!!! Sie hatten einige gute Tipps und schmackhaften Käse für uns und wir freuen uns auf ihren ersten Kommentare hier! Die zwei Woofing-Mädels aus dem letzten Bericht sind übrigens erst am Ende unseres BBQs aufgetaucht, so dass wir sie nicht mehr bezüglich ihrer Arbeit auf einer Farm ausfragen konnten.

Am nächsten morgen, nach einer entspannten Nacht im Strandhaus wachten wir mit Bacon-Geruch in der Nase auf und stellten fest, dass wir erst nach Franz-Joseph, dem nächsten größeren Ort (30-Serpentinen-km entfernt) fahren mussten, um Benzin und Lebensmittel aufzutanken. Steve wies netterweise Jere darauf hin, dass an unserem Van die Lichter noch an seien und so kam es, dass er wieder still blieb, als wir den Schlüssel im Zündschloss drehten. Uns dämmerte, dass wohl nicht das bereits abgeklemmte Radio oder die ebenfalls zur Vorsage abgeklemmte Uhr der Stromverbraucher an dem Van war, sondern das Standlicht, dass sich wahrscheinlich beim Tür zuschlagen irgendwie von selbst einschalten muss. Wir entschlossen uns, es diesmal mit der Methode des „Anschiebens und Kupplung springen lassen“ zu versuchen. Die Resultate seht ihr im Video. Aber die Neuseeländer machten ihrem Ruf als hilfreiche zuvorkommende Leute alle Ehre und so kam ganz von selbst ein Einwohner mit seinem Jeep angefahren und gab uns Starthilfe. Auf diese Weise konnten wir in dem Touri-Dorf Franz Josef ein paar Nudeln und Hackfleisch kaufen – unsere Mahlzeiten sind noch nicht weit über Spaghetti mit Fleischsoße hinaus gewachsen – und den Rest des Tages entspannen. An dem Abend lernten wir außerdem noch zwei Züricher kennen: Thomas und Lisa! Wie ihr vielleicht nicht wisst: Ich find den schweizer Dialekt (nein, es ist eine eigene Sprache!) schon immer unwiderstehlich und so haben Schweizer bei mir sofort einen hohen Stellenwert. Die zwei hatten den Vorschuss mehr als verdient und ich kann nur hoffen, dass wir ihnen vielleicht noch einmal auf der Reise begegnen – so wie Steve, aber dazu später mehr.

Jetzt ist die Sonne hier schon längst hinter den Bergen untergegangen und man sieht weder Berg noch See, nur Schwarz und ein schmales Band gelblicher Laternen.

Wieso ich wenig schlafen konnte und aus weiteren, wirklich ekligen Gründen heute nicht die beste Laune hatte, schreibe ich dann bald nieder. Der Bericht ist doch ganz positiv geworden, was wohl an den tollen Erlebnissen, die mich immer noch in ihre Fülle überfordern, liegt.

To be continued…

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posted by cloudy in Neuseeland,Okarito and have Comments (6)

6 Responses to “Regenwald und tolle Hostels”

  1. Supporter #1 sagt:

    Die Schweizer sind echt überall…in deren Land dürfte eigentlich gar niemand mehr wohnen. In Costa Rica sind sie uns auch überall aufgefallen und über den Weg gelaufen. Da waren echt ein paar sehr nette mit dabei…und du hast recht Claudi: das Schwyzerdytsch hat was 🙂

  2. Papa sagt:

    Es liegt nicht am Auto, du schläfst überall ein, wo ein Motor läuft…

  3. Steffen sagt:

    Wieder ein sehr schöner Reisebericht. Ich freu mich jedes mal wie ein Schnitzel, wenn was neues in eurem Blog steht!

    Zu dem Auto: klemmt doch über Nacht die Batterie komplett ab…

  4. Jany sagt:

    Hallo Mausi!
    Habe, trotz dramatischer Ankündigung am Anfang Deines Berichts (Müdigkeit etc. – siehe meine Bemerkung zu Deinen Hobbys;-)), nur Positives entnommen. Gratuliere… zum fast permanentem Rucksack tragen. Gibt’s in Eurem zu enteckenden Wunderland auch Zeichen an den Wanderwegen bzw. Wanderpillen ?!?

    HEl
    Mama – Jany

  5. Kieler sagt:

    moin, wir verfolgen euren blog aufmerksamst, waren nämlich vor 1,5 Jahren auch „ganzrechtsunten“. Das schönste stückchen der erde für uns. wir beneiden euch um eure zeit da. eine sache ist uns aufgefallen: possum und opossum sind zwei unterschiedliche tierarten. das opossum ist eine amerikanische beutelratte, das possum (in nz ist es der fuchskusu) ein beutelsäuger. mussten uns auch „belehren“ lassen. ;-)viel spaß weiterhin!!!!

  6. czery sagt:

    Bei uns sagt man auf sowas: „Bisch a Käpsele“ 🙂 Danke für die Info.

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