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Himmel-Tauchen und Meeressäuger Part 2

„Das Geilste, dass ich je gemacht habe!“ rief Svenja schon die Holztreppe zu uns hoch, als sie wieder gelandet war. Sie trat dieses Abendteuer als erste von uns Dreien an (Svenja, ich, Jere) und war absolut begeistert. Am Frühstückstisch war ich ja noch nicht ganz so überzeugt, ob ich mich aus einem Flugzeug stürzen wollte, aber als wir dann in Kaikura auf dem winzigen Flughafen ankamen befiel mich eine absolute Ruhe. Ich weiß bis heute nicht, ob es eine Art Schockzustand war, aber als ich den roten Anzug anzog und die Einführungen in die Bananenhaltung bekam, war ich auf einmal ganz entspannt. Der einzige etwas mulmige Moment war der, als mir erklärt wurde, was ich zu tun hätte, wenn mein Tandempartner ohnmächtig werde und wir ins Meer abdriften würden. Das sind dann nämlich ganz schön viele Sachen, für die man nur 5 Minuten Schwebezeit zur Verfügung hätte.

Und da kam auch schon Svenja wieder auf den Boden zurück und meine Zeit war gekommen. Henk, ein niederländischer durchgeknallter, aber sehr netter Typ hatte schon über 14.000 Sprünge mit Todesmutigen gemacht. Er managte es, neben dem ganzen Riemen-festziehen, Anweisungen geben etc. auch noch, alles mit einer Kamera zu filmen, die an seinem Handgelenk befestigt war. Eine weitere Mitarbeiterin schoss jede Menge Fotos mit verschiedenen Objektiven. Sowohl das Video (das wirklich gut ist), als auch die Fotos konnte man nach dem Flug anschauen und bei Bedarf für Unsummen kaufen. Eine sehr gute Marketingstrategie, denn wenn man nach diesem Adrenalin-Glückshormonschub noch einmal alles von außen erleben kann, will man diese Erinnerung unbedingt mitnehmen. Wir hatten auch wirklich überlegt, ob wir das Video für den Blog kaufen, aber wir fanden, unsere Aufnahmen kamen an die von Svenja, die noch perfektes Sonnenwetter und freien Himmel hatte, bei Weitem nicht ran und so stellen wir einfach ihr Video auf den Blog, dass sich ansonsten nicht groß von unserem unterschied. (Allerdings machen wir das erst, nachdem Svenja das Video ihren Eltern vorgefürt hat. Das möchten wir ihr nicht vorwegnehmen.)

Hank zog also noch einmal alles an mir fest, drehte ein kleines Einstiegsinterview und schon ging es zügig die Holztreppe hinunter zum Flugplatz, wo das Mini-Flugzeug mit seinem jugendlichen Piloten bereits warte. In dem Gefährt war eigentlich nur Platz für den Pilotensitz und dahinter ca. 1,5 längliche Quadratmeter zum sitzen. Hank und ich nahmen hintereinander Platz und das kleine wendige Flugzeug setzte sich in Bewegung. Die kurze Startbahn reichte aus und schwupp waren wir in der Luft und der Pilot drehte Schrauben, um an Höhe zu gewinnen. Dort, auf dem Boden des Flugzeugs sitzend und aus dem Fenster die grünen Hügel, die weiche Küstenlinie, die Halbinsel und die Schneebedeckten Alpen bestaunend, war mir der folgende Schritt völlig unwichtig. Nach einer gewissen Höhe änderten wir unsere Position, so dass Hank mich an seinen Bauch festschnallen konnte. Dabei musste ich auf seinen Beinen sitzen und ich fragte ihn, ob das bei schwereren Personen nicht manchmal unangenehm werde. Er meinte, dass er mal einen gewaltigen Teilnehmer mit mehr als 130 Kilo hatte und er jetzt nur noch unter 100kg Personen mitnehme. Der Höhenmesser näherte sich den 9000 Höhenmetern-Fuß, wir machten ein letztes Interview für die Kamera und genossen noch einmal den phantastischen Ausblick, diesmal über den flauschigen Wolken. Hank beschrieb mir noch kurz die nächsten Schritte und schon schob der Pilot die Tür auf. Wow, was für ein Wind! Laut Anweisung sollte ich nun meine beiden Füße auf den Eisentritt stellen, der unterhalb der Tür als einziges Teil vom Flugzeug vor mir noch zu sehen war. Ansonsten: Nur eine riesige Wolkendecke mit einem großen Loch unter uns, und da ganz tief unten die grüne Erde. Ich streckte also die Füße nach dem Tritt aus der Tür und der Wind blies sie immer wieder vom Tritt runter, so stark war er. Doch nach zwei Versuchen ging es und dann… weiß ich nicht mehr, wie es passierte ist. Auch bei Jere fehlt dieser kurze Teil in seinem Gedächtnis. Technisch gesehen haben wir wahrscheinlich eine Rolle vorwärts in die Tiefe gemacht. Wenn ich drüber nachdenke, werd ich nervöser, als ich es beim Sprung selbst war.

Plötzlich flog ich mit dem Gesicht zur Erde dem Boden entgegen, meine Hände an meinen Schulterriemen, der Wind blies mir das Gesicht platt und Hank deutete mir, in die Kamera zu winken und mein einziger Gedanke in diesem Moment: Super, meine Augen tränen, meine Nase läuft, mir wird der Mund vom Wind aufgerissen, irgendwo hängt sicher etwas Sabber und jetzt ist alles auf dem Video. Was man eben so denkt, in nun wahrscheinlich 8000 Metern Fuß Höhe. Als ich dann endlich kapierte, dass ich meine Hände lösen und neben meinen Kopf halten konnte, versuchte ich mich auf das Ereignis an sich zu konzentrieren, den Horizont anzuschauen, die Erde unter mir und das Gefühl zu erfahren. Aber jetzt bin ich mal ganz ganz ehrlich: Ich hab nicht viel gefühlt. Es war wie Autofahren, ganz natürlich im freien Fall der Erde entgegen rasen. Natürlich ohne den Drang einzuschlafen, der sich, wie schon erwähnt, normalerweise bei mir mit dem Autofahren einstellt. Wie gesagt, vielleicht war ich im Schock. Für viele ist es ja das aufregendste Gefühl, für mich ist Achterbahn fahren manchmal gruseliger. Vielleicht war ich an dem Tag noch von den Delphin-Erfahrungen überwältigt, vielleicht war ich im früheren Leben ein Adler oder ein Komet. Mir taten etwas die Ohren weh, weil meine Kappe wohl nicht ganz dicht war und ich fand das Detail witzig, dass ich meine eigenen Schuhe anbehalten konnte. Wenn ich jetzt im Nachhinein daran denke, dass meine Schuhe so weit oben im freien Fall waren, find ich das toll. Bei mir selber irgendwie nicht. Aber es hat schon Spaß gemacht, vor allem, als dann der Fallschirm aufging, ich die Kappe und Brille abnehmen und meine Körpersäfte aus dem Gesicht wischen konnte und Hank mir erlaubte, den Fallschirm zu lenken. Ich kann mir keine aufregendere Landschaft für das Skydiving vorstellen, als Kaikura, denn hier sieht man das riesige Meer, die lange Küste, grüne Landschaft und die schneebedeckten Kuppen der Alpen – alles auf einmal. Es gibt auch Orte, wo man in der Gruppe springen kann, doch da muss man wohl bei der Landschaft abstriche machen.

Mein gegen den blauen Himmel orange leuchtender Fallschirm bewegte sich ziemlich zügig der Erde entgegen und Hank und ich machten noch einmal eine starke Rechtskurve, bei der wir ein paar Mal um den Fallschirm geschleudert wurden und da wurde mir ein bisschen schlecht. Doch er hörte gerade früh genug auf und wir glitten weiter schnell in Richtung des Lande- bzw. Startplatzes. Ich machte mir ein wenig Sorgen, bei dem Tempo auf den Boden aufzukommen, doch Hank beschäftigte meine Gedanken, gab Anweisungen, wie ich meine Beine hoch zu ziehen hatte und wir setzten ganz sanft auf dem Hosenboden auf. Und da war es auch schon vorbei.

Mein Fazit fällt also folgendermaßen aus: Ich bin froh, es gemacht zu haben, aber mir wäre es das Geld im Nachhinein nicht wert. Keine Ahnung, wieso sich bei mir kein Adrenalin eingestellt hat, aber nun kann ich zumindest sagen: Ich war in Neuseeland und habe Extremsport gemacht.

Der Jere hatte noch einen Super-Sprung aus 13.000 Metern Fuß. Vielleicht sollte er kurz eine Gegendarstellung formulieren und seinen tatsächlichen Adrenalinkick beschreiben!

Nach dem wir drei auf den Boden zurückgekehrt waren, Video und Fotos geschaut und teilweise gekauft hatten, holte Thomas uns mit dem Van ab. Er hatte bereits eine Nachricht von der armen Svea bekommen, der es auf ihrer Whalewatching-Tour gar nicht gut ging. Sie hatte sich entschieden trotz Mangel an Begleitung die Tour auf das Meer hinaus zu machen, um echte Wale beim Auftauchen und Luftholen zu sehen. Ich frage mich, wie die Veranstalter das hinkriegen, den Wal zu finden. Naja, auf jeden Fall war wieder sehr hoher Wellengang und Seasickness-Gefahr, was wohl alles nicht so schlimm gewesen wäre, wenn nicht plötzlich eine Japanerin neben Svea angefangen hätte, sich zu übergeben. Dann ging es auch bei Svea los und sie sah nur noch die Kloschüssel, keine weiteren Meeressäugetiere.

Und noch eine Begebenheit fand in Kaikura statt: Laila hat ihre Reise von hier aus in den Norden fortgesetzt, während wir wieder nach Christchurch zurück gekehrt sind. Wir haben sie an der Hauptstraße ortsauswärts abgesetzt, damit sie eine gute Startposition für ihr Hitch-Hiking (per Anhalter fahren) hat. Sie schrieb uns später, dass bald zwei Typen vorbei kamen und sie mitnehmen, vorher jedoch noch kurz im Pub etwas trinken wollten. Das taten die zwei dann ausgiebig, so dass Laila sich doch dagegen entschied, mit ihnen mitzufahren. Irgendwie hat sie es aber doch geschafft, an ihr Ziel zu kommen. Wie ihr vielleicht schon gesehen habt, ist sie mit dem Blog-T-Shirt Bungeespringen gegangen und hat auch sonst eine gute Zeit. Wir vermissen sie und wünschen ihr eine tolle weitere Reise und einen super Start ins Studium!


Jere’s Schilderung

Die Darstellung meines Skydives ist keine wirkliche Gegendarstellung, sondern einfach eine Beschreibung dessen, wie ich meinen Sprung aus 13000 ft. empfunden habe.

In Einem muss ich Claudi absolut zustimmen: der Adrenalinkick hält sich in Grenzen. Er beschränkte sich bei mir einzig und allein auf den Moment, in dem sich die kleine Tür des Flugzeugs öffnete und ich mir vorstellte, was da gerade passiert. Ob’s an der vertrauenswürdigen Person unseres Sprung-Guides Hank lag? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist es vom Adrenalinspiegel her nicht zu vergleichen mit einem Bungy-Sprung, den ich ja bereits vor einigen Jahren bei der 700-Jahre-Birkenfeld-Feier zwar mit anschließenden Kopfschmerzen aber dennoch hoher Adrenalin-Ausbeute gewagt hatte.

Trotzdem: die tolle Aussicht aus dem Flugzeug, das Meer, die schneebedeckten Alps, das Gefühl, ins Nichts zu fallen, der kalte Wind, der einem den vor Staunen offenstehenden Mund austrocknet, das gemütliche Schweben im selbstgelenkten Fallschirm und nicht zuletzt das Gefühl danach: „Ich bin Fallschirm-gesprungen!“ – all das machte meinen Skydive für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis, das sein Geld (immerhin 360 NZ$) allemal wert war.

Ich überlege sogar, ob ich hier in Neuseeland eine Solo-Springer-Lizenz erwerben soll, mit der ich mich dann auch alleine aus Flugzeugen stürzen dürfte – wenn’s nur nicht so teuer wäre (1500 NZ$ für einwöchigen Kurs + 15 beobachtete Solo-Sprünge). Mal sehen, wie’s mit dem Arbeiten hier läuft 🙂

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posted by cloudy in Fun,Kaikoura,Neuseeland and have Comments (4)

4 Responses to “Himmel-Tauchen und Meeressäuger Part 2”

  1. Benji sagt:

    Was ihr da so alles treibt…Wahnsinn!

  2. Vester sagt:

    Wieder ein toller Bericht. Nur solltet ihr klar stellen, dass es bestimmt keine 8000m/13000m waren, sondern Fuß. Geteilt durch drei, dann kommt es hin. 😉

  3. Cloudy sagt:

    Ich würd das gern unter künstlerischer Freiheit verbuchen 😉

    Aber 3.000 Meter sind ja auch noch hoch.

    Danke fürs richtig stellen und schöne Grüße ins, wie ich gehört habe, schon sehr sonnige Badener Land.

    Claudi

  4. Sabrina sagt:

    Sehr cooler Bericht!!! Only skydiver knows why birds sing! 😉

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