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Athur’s Pass, Greymouth und der Goldrausch

Über den „Arthurs Pass“ fuhren wir nach Greymouth. Der Pass ist benannt nach Arthur Dobsen, der den Pass, als an der Westküste das erste Gold gefunden wurde, für die „westliche Welt“ entdeckte. Die Maori kannten den Pass zum Westland schon seit einer Ewigkeit. In Reiseführern wurde uns immer wieder die Bahn nahe gelegt, deren Strecke meist direkt neben der Straße verläuft. Aber zum einen ist die Bahnfahrt relativ teuer, wie alles, was hier hauptsächlich für Touristen angeboten wird und zum Anderen wollen wir eine Weile an der Westküste verbringen und flexibel sein.

Also packten wir in Christchurch unsere Rucksäcke, kauften eine Kühltruhe, Kisten, Grundnahrungsmittel und Dosenessen (das Essen auf dem Pass soll sehr teuer sein) und fuhren mit unserem süßen kleinen Van ins hohe Gebirge. Christchurch machte uns den Abschied nicht all zu schwer, denn das erste Mal seit wir da waren, regnete es tagsüber. Als die ersten großen Steigungen zu sehen waren, zweifelten wir zugegebenermaßen an unserem Auto, aber es ist stärker als es sich anhört und schaffte jede Steigung zumindest im zweiten Gang. Auf dem Rückweg sollten wir vielleicht eine andere Strecke nehmen, denn die Abfahrten waren teilweise wirklich furchteinflößend. Der Pass ist wirklich schön, wobei Thomas und ich einen Teil davon verschlafen haben und laut Jere das wohl der beeindruckendste Abschnitt war. Vielleicht erzählt er euch ja noch davon.

Zwischendurch hielten wir noch in einem kleinen Restaurant, riesig, aber völlig einsam mitten im Nirgendwo und wollten ein leckeres Stück Käsekuchen essen. Leider schmeckt hier vieles ganz anders und nicht immer besser, als in Deutschland. Der Kuchen war auf jeden Fall nicht so lecker, dafür aber die heiße Schokoladen mit Marshmallows. Weiter ging es auf dem Pass zu verschiedenen Aussichtsstellen, an denen Busse mit Touristen hielten. An einem war neben der Landschaft etwas anderes noch viel interessanter: unsere ersten wilden großen Vögel: 3 grün-rote Papageien, Keas genannt, die in der Nähe der Menschenmeute nach etwas Essbarem suchten.

Auf dem Arthurs Pass liegt mitten in den Bergen der höchste Ort Neuseelands, der gleichnamige Ort Athur´s Pass mit 63 Einwohnern. Wir hatten uns die Option offen gelassen, dort ein paar Nächte zu verbringen und eine der Wanderungen in den National Park zu unternehmen. Der Ort an sich ist jedoch weniger beeindruckend als der Pass und wir entschieden spontan, gleich bis an die Westküste weiter zu fahren. Vielleicht hat Jere auch einfach das Fahren zu viel Spaß gemacht und Thomas und ich hatten den Gedanken des Wanderns noch nicht ganz mit unserem Wesen in Einklang bringen können.

Während meiner Wachphase konnte ich das erste Mal während unserer Reise einen Teil der neuseeländischen Natur beobachten. Es ist hier ganz anders, als an allen Orten, die ich bisher gesehen habe. Die flachen Landschaften sind noch relativ ähnlich den deutschen Landschaften, nur dass das Grass hier häufig golden ist (vielleicht wegen des Spätsommers?) und die Feldeingrenzungen bestehen aus lustigen Bäumen, die wie Hecken geschnitten sind. Sie sind so dicht, dass schon nach wenigen Zentimetern Dunkelheit herrscht. Diese Bäume finden sich auch hier an der Westküste überall, nur dass sie hier an der Erde den Hang hinauf wachsen und zusammen mit dem Farn einen weich aussehenden dichten Teppich über den Hängen bilden. Auf diese Weise sehen manche Hügel aus, wie ich sie mir im Norden Europas (Finnland, Schweden) vorstelle. Witziger Weise liegt dann direkt gegenüber ein Berg, der aussieht, wie an der Südsee: Die Farne können hier exakt wie Palmen aussehen: brauner Stamm und oben heraus die Farnwedel. So steht der Südesee-Palmen-Farnwald dem nordischen Hangwuchs gegenüber. Teilweise sind wir Straßen entlang gefahren, an dessen Seite der Urwald direkt anzufangen scheint. Man kann nicht einen Meter hinein schauen. Eine Zeit fand ich die niedrigen Bäume richtig gruselig. Das lag daran, dass sie zum Teil weiße Stämme haben, von denen irgendetwas abfasert. Das sieht dann aus wie Spinnennetze, zusammen mit einem grauen Himmel und etwas Nebel ist das die perfekte Kulisse für Jurassic Park. Ehrlich: Es hätte aus den Farnenwäldern ein T-Rex herauslaufen können und es hätte irgendwie ins Bild gepasst. Dem satten Grün der Farne, wenigen Bäumen, den Sträuchern und Wiesen stehen auf dem Arthurs Pass die breiten grauen Flussbetten, durch die nur sehr dünne Rinnsale fließen, mit ihren roten und orangenen Steinen gegenüber.

Wir fuhren also weiter durch den Pass bis zur größten Stadt der Westküste Neuseelands: Greymouth (10.000 Einwohner). Die Einwohner sieht man der Stadt nicht an. Sie zieht sich die Küste entlang, doch der eigentliche Kern ist nur 300 mal 300 Meter, so kommt es einem vor. Nur 1% der Neuseeländer lebt hier im Westland. Kein Wunder, denn selbst die Maori fanden hier nicht viel, dass sie hielt. Ihre traditionelle Nahrung ließ sich hier nicht anbauen und Fischfang ist bei der gefährlichen See sicherlich auch nicht leicht. Die Tasmanische See peitscht hier in langen 2-3 Meter hohen Wellen gegen das Land, wie wir am ersten Abend gleich bestaunen konnten. Die riesigen Wellen und der gewaltige Rücksog sind zu gefährlich zum Schwimmen. Die Wolken bleiben auf dieser Seite oft vor den Bergen hängen und der Wind ist kalt, die Hänge zu steil für Landwirtschaft. Es scheint fast, als wollte die Natur hier keine Menschen und so sind die Grundstückspreise niedriger als sonst auf der gesamten Insel. Generell ist mein Eindruck von Neuseeland bis jetzt: Hier herrscht noch zum größten Teil die Natur und die Menschen haben sich nur einige Nischen hineingeschlagen und versuchen diese zu verteidigen. Es würde mich nicht wundern, wenn unter manchen Farnwäldern ganze alte Goldgräberdörfer versteckt wären. Denn der Grund, wieso hier überhaupt gesiedelt wurde, war das Gold. In dieser Zeit schossen hier die Dörfer aus dem Boden, doch innerhalb von 3-4 Jahren war das Gold weg und die Städte starben wieder aus.

An unserem zweiten Tag hier, nachdem wir am ersten mit dem Fahrrad die „Stadt“ erkundeten, lasen, Jere und Thomas ihre Liebe zum Schach entdeckten, fuhren wir in das ehemalige Goldgräberstädtchen Blackball. Wir hatten die Wahl zwischen „Shantytown“, einem nachgebauten Touristen-Goldgräberstädtchen, das Eintritt kostet und einem Original. Wir entschieden und also für Blackball, dass nordöstlich von Greymouth, wieder ein Stückchen zurück in den Bergen liegt. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte… Männer mit Hüten und dreckverschmierten Gesichtern (wie Kohlebergleute) und eine wimmelnde Westernstadt in der alle den Goldrausch in den Augen haben, Saloons und Pferde? Nein, irgendwas hatte ich erwartet, aber nicht das: Blackball ist ein nahezu ausgestorbenes Dorf mit alten Blechhütten oder Häusern in der hier typischen Leichtbauweise, ein paar Trinkern und Jugendlichen (die armen Kinder!). Berühmt ist die Salami Co.: Wir hatten eine kleine Fabrik erwartet, tatsächlich war es ein kleiner Fleischer, bei dem es sehr wenig Fleisch gab und der Geruch hat uns davon abgehalten, überhaut etwas zu kaufen. Die andere Sehenswürdigkeit in Blackball ist das „(formerly) Hilton Hotel“, dass tatsächlich Ärger mit der Hilton-Hotelkette bekam und so dass Holzschild „Formerly“ über ihrem Namen anbringen mussten. Dieses Haus ist wirklich schön, wie ein altes Westernhaus. Ansonsten war im Dorf nicht mehr viel zu sehen. Vor einem Haus, ich glaube, es war eine Art Entzugsklink, stand eine Tafel in Herzform, auf der übersetzt etwas stand, wie: „Blackball ist mehr als 3 Pubs und Alkoholiker, gehen Sie hinaus und erleben Sie das wirkliche Blackball.“ Das taten wir dann auch und fuhren einfach an einer Seite des Dörfchens immer weiter bis eine Schutterpiste einen kleinen Hang hinab führte. Jere und ich sprachen Thomas viel Mut zu und er stürzte uns mit dem Van den steilen Hang hinunter. Unten angekommen, hörte die Straße auf und ein Schild mit einem roten Totenkopf stand vor unserem Auto. Erst dachten wir, dass hier vielleicht eins der berüchtigten Moore anfing, aber beim studieren des Schildes fanden wir heraus, dass es nur davor warnte 10cm große grüne Kapseln anzufassen, die hier überall rumlägen, als Gift für die hier plagenden Opossums. Wir fassten also keine Kapseln an und gingen ein Stück weiter, bis zu einem Fluss. Genau so hatte ich mir die Goldgräberflüsse vorgestellt: Tausende Steine, flaches schnelles Wasser. Wir sprangen von Stein zu Stein (also vor allem ich) und schauten nach jedem glitzernden Etwas, dass im Wasser funkelte. Das Goldrauschgefühl kann ich schon ein bisschen nachvollziehen. Es ist wie ein Glücksspiel, vielleicht befindet sich ja genau unter dem oder dem anderen Stein vor mir ein riesiger Klumpen Gold. Es ist schwer, da seinen Blick auf die restliche beeindruckende Landschaft zu lenken. Wir gingen/kletterten noch ein bisschen flussabwärts und kehrten dann schließlich um, zurück zum Bus. Der schwerste Teil war nicht die Bergabfahrt gewesen, sondern: Wie kommen wir die Schotterpiste wieder hoch? Aber unser kleiner Van hat ohne viel Durchdrehen der Räder den Berg im ersten Gang erklommen. Auf dem Rückweg über die Landstraße kam uns plötzlich der Gedanke, dass wir ja alles dabei hatten, um das Auto endlich einmal anzumalen. Wir bogen also in die nächste Schotterstraße ein und hielten an deren Ende. Dann klebten wir die Fenster, Türgriffe und Stoßstangen ab, so dass wir mit der Sprühdose den Lack auftragen konnten. Unsere Zeitung reichte nur für eine Seite und auch 1 ¼  von 2 Sprühdosen sind schon leer, so dass wir jetzt erstmal mit einem einseitig gelben Van herumfahren. Jeder Lackierer hätte sicher die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, als wir keine Geduld mehr hatten und die Farbe trocken fuhren. Jetzt hat sie kleine Boppel überall, aber wir gucken einfach nicht so genau hin. Der Van sieht auf jeden Fall um Jahre jünger aus mit seinem neuen Anstrich, der im schönen Kontrast zu den schwarzen Gummis am Fenster leuchtet. Ich freu mich schon drauf, den Rest anzumalen, vorher brauchen wir noch Farbe und Zeitung.

Zurück in Greymouth machten wir es uns wieder in unserem schönen Hostel gemütlich: das Global Village! In unserer BBH-Hostelbroschüre hat es eine sehr hohe Wertung und dies mit Recht! In unserem Hostel in Christchurch haben uns alle gesagt, dass wir Glück mit dem Hostel dort haben, aber das hier ist noch einmal um Welten cooler. Alles ist in afrikanisch/asiatischem Stil gehalten: Alle Wände sind in leuchtenden Farben gestrichen, überall stehen handgeschnitzte Figuren und hängen Masken aus dunklem Holz, Stoffbilder und Holzschilder. Zu unserem Zimmer gelangt man durch das „Wohnzimmer“, einem großen Raum mit hoher Decke. An der langen Seite steht ein Ofen, davor im offenen Viereck stehen gemütliche Couchen. Überall gibt es bequeme Stühle, Instrumente, ein viel genutztes Schachbrett und eine Reihe Computerplätze, die das Bild jedoch nicht stören. Die Gemeinschaftsküche ist riesig, mit einer Kochinsel in der Mitte, vielen Back- und Abwaschmöglichkeiten, einheitlichem Geschirr und allen Kochutensilien, die man so braucht – fast schon zu nobel für eine Hostel-Küche! Jetzt gerade bäckt unser Bier-Brot in einem der Öfen. Bin mal gespannt, ob das was wird. Unser Zimmer ist auch toll, wie ihr auf den Videos sehen könnt. Eigentlich ein Vierbettzimmer, aber nur von uns dreien belegt: gelbe Wände, ein Doppelstock und ein großes Bett, Holzmasken, Bilder und hölzerne Nachttische mit Stoff-Korb-Lampen, das schönste finde ich, ist jedoch die Holzstange, die von zwei geschnitzten Figuren gehalten wird und auf der man alles möglich aufhängen kann. Dann haben wir auch noch das Privileg, einen großen Balkon mit Ausgang zu einem Steg zu haben, der direkt in den Garten führt, in dem ein Gasgrill, Kajaks, Fahrräder (Helme sind hier Pflicht, sonst wird’s teuer bei der Polizei) und ein Whirlpool steht. Alles haben wir bereits ausprobiert. Die Jungs sind gerade zudem im Fitnessraum. Heute Vormittag paddelten wir mit den Kajaks den kleinen Fluss hoch und über einen See, anschließend waren Jere und ich im Whirlpool (Thomas ist nicht so die Wasserratte, dem hat das Bootfahren gereicht) und heut Abend grillen wir wieder. Diesmal mit zwei anderen Mädels, die schon Erfahrung mit Woofing gemacht haben. Da bin ich ja mal gespannt!

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posted by cloudy in Greymouth,Neuseeland and have Comments (5)

5 Responses to “Athur’s Pass, Greymouth und der Goldrausch”

  1. Jürgen sagt:

    Klasse Bericht – die Stimmung und das Gefühlte kommt nachvollziehbar bei mir an. Das geschriebene Wort ist nicht zu unterschätzen, vor allem wenn die Schreiberin es ‚drauf‘ hat. – Danke Claudi.

  2. Steffen sagt:

    Ich werde immer neidischer und bekomme Fernweh. Außerdem hab ich noch eine Frage:
    Wo sitzt denn in dieser Brotbüchse 😉 die dritte Person?

    Greetz aus dem matschigen Berlin
    Der Steffen

  3. lena sagt:

    Lustig! genau in dem Hostel hab ich vor nem halben Jahr auch gewohnt. Ich glaube direkt neben eurem Zimmer. Obacht, eines der Kajaks hat ein Loch und ich war binnen Sekunden klatschenass…und das im Winter, haha. Wenn ihr gen Norden wollt und durch den Buller George fahrt, dann solltet ihr nicht auf den“absolut-längsten ach so tollen“ Flying Fox reinfallen. Der ist teuer und kacke, haha. Achja…kauft euch viell. mal dieses billige Regenzeug im Mitre10. Das hat sich für mich gelohnt. Denn so konnten wir auf unserer Reise auch an den (seltenen) Regentagen draußen wandern, ohne nass zu werden. Wäre schade gewesen dieses nicht zu tun. Viel Spaß noch an der Westküste und falls ihr doch mal auf die Nordinsel fahrt, dann kann ich euch ein paar ganz tolle heimliche Tipps geben für die Region Taranaki. Da hab ich 3 Monate gelebt und zwar in einer Gegend wo die Strände schwarz, die Natur atembereubend ist und keine Touris herumlaufen. Liebe Grüße an mein geliebtes Neuseeland!

  4. Christian sagt:

    Wow, tolle Bilder, schön beschrieben – man kann sich direkt reinversetzen…bin ganz neidisch – aber vll dauerts für mich auch nicht mehr so lang bis ich Neuseeland besuchen „darf“.
    Bin durch Zufall auf euern Blog gestoßen und finde es einfach toll was das ihr so oft bloggt und wie ihr die Seite gemacht habt.
    Grüße aus dem weit entfernten Deutschland…genießt die Zeit – und bloggt weiterhin fleißig

  5. czery sagt:

    Vielen Dank. Freut uns sehr, dass der Blog so vielen Leuten gefällt. Gruß von ganz rechts unten

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